Klassiker von WiWo: 232.800 Euro im Durchschnitt? So reich sind die Deutschen (2023)

Studien über Vermögen 232.800 Euro im Durchschnitt? So reich sind die Deutschen

vonOmar Zeroual

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Bild:imago images

Über das eigene Geld spricht kaum jemand gerne, das finanzielle Polster anderer interessiert dafür umso mehr. Vermögensstudien liefern einen Einblick, wo der Durchschnitts-Deutsche finanziell steht. Ein Überblick.

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So sehr Reichtum die Menschen fasziniert, so schwierig ist es, ihn genau zu beziffern. Das Vermögen setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen, zudem herrscht darüber oft Verschwiegenheit. Es überrascht also nicht, dass sich eine eigene wissenschaftliche Disziplin damit beschäftigt: die Vermögensforschung.

Sie erforscht die finanzielle Situation von Haushalten und Privatpersonen. Die gewonnen Daten geben Aufschluss über den Zustand der Wirtschaft und liefern Grundlage für finanzpolitische Entscheidungen. Dieser Überblick stellt eine Auswahl wichtiger Vermögensstudien vor.

Einen Einblick zu den finanziellen Verhältnissen der Privathaushalte in Deutschland liefert die Studie der Bundesbank mit dem Titel „Private Haushalte und ihre Finanzen (PHF)“. Alle drei Jahre erfasst sie Vermögenswerte wie Wohneigentum, Fahrzeuge sowie Bankguthaben und Ansprüche aus privaten Rente- und Lebensversicherungen ein. Dem entgegen stellt die Studie auch Schulden wie Hypotheken oder Kredite. Darüber gaben 2017 bei der dritten Erhebung 4942 private Haushalte mit 9710 Personen persönlich in Interviews Auskunft.

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Laut PHF-Studie verfügten die deutschen Haushalte ein durchschnittliches Nettovermögen von 232.800 Euro. Der Median lag bei 70.800 Euro für das Nettovermögen. Verglichen zur zweiten Befragungswelle 2014 wuchs das durchschnittliche Nettovermögen 2017 um 18.300 Euro (+9 %) und der Median um 10.400 Euro (+17 %). Aufgrund des Unterschieds zwischen dem Durchschnitt und dem Median schließt die Bundesbank auf eine ungleiche Verteilung des Vermögens. Um zu den vermögendsten zehn Prozent der Haushalte zu gehören, ist ein Nettovermögen von mindestens 555.400 Euro nötig.

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    Neue Ergebnisse der PHF-Studie verzögern sich, denn die Befragungen von 2020 mussten wegen der Coronapandemie verschoben werden. Die Verantwortlichen bei der Bundesbank gehen davon aus, dass 2023 die nächste Studie publiziert wird.

    Im Rahmen des „Sozio-oekonomischen Panels“ (SOEP) befragt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jährlich über 25.000 Personen in etwa 16.000 Haushalten in Interviews. Dabei wird das individuelle Vermögen der Teilnehmenden ermittelt und nicht wie in der PHF-Studie jenes der Haushalte.

    Nachhaltigkeit in der Finanzberatung: Schub für „grüne“ Anlagen?

    Egal ob Investmentfonds, Aktie oder Rentenprodukt – Bankberater und Versicherungsvermittler sind vom 2. August an verpflichtet, Kundinnen und Kunden zu fragen, ob sie „grün“ investieren wollen und welche Präferenzen sie dabei haben. Dies muss dann bei der Produktauswahl berücksichtigt werden. Die Regelung ist Teil einer ganzen Reihe neuer EU-Vorgaben, die unter dem Kürzel „Mifid II“ schrittweise in Kraft treten. Es geht also bei der Anlageberatung künftig nicht mehr nur um Renditechancen und Risiko, sondern auch um Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung: Die Abkürzung ESG (englisch für: Environmental Social Governance) hält gewissermaßen Einzug in die Beratung.

    Die EU-Kommission in Brüssel hat mit der Taxonomie eine Art Katalog für klimafreundliche Investitionen auf den Weg gebracht. Für Kritik sorgt, dass es in diesem Rahmen von Januar 2023 an auch als klimafreundlich gilt, Geld in bestimmte Gas- und Atomkraftwerke zu stecken. Das finden unter anderem Umweltschützer falsch. Anleger müssen sich also weiterhin sehr gut informieren, was sich hinter Finanzprodukten verbirgt, die als „nachhaltig“ vermarktet werden.

    „Die Umsetzung der Mifid-II-Vorgaben ist für Berater ein Wahnsinn“, sagt Christian Klein, der als Professor an der Universität Kassel zum Thema nachhaltige Finanzwirtschaft forscht. „Das eine Problem ist: Wie kann in kurzer Zeit einem Kunden erklärt werden, was zum Beispiel Taxonomie und Offenlegungsverordnung sind? Das Hauptproblem ist dann das sogenannte Mapping: Wie findet ein Berater die passenden Produkte, die der Kunde dann auch kauft?“

    Der Fondsverband BVI erklärte auf Nachfrage: „Dass es trotz unzähliger technischer Details und Vorschriften noch kein einheitliches Verständnis gibt, was nachhaltig ist, ist tatsächlich ein Problem.“ Mehr Klarheit können nach Ansicht des BVI nur europäische beziehungsweise internationale Mindeststandards schaffen: „Das gilt für ESG-Daten, die Unternehmensberichterstattung und Anforderungen an nachhaltige Produkte gleichermaßen. Deshalb setzen wir uns für solche internationalen Mindeststandards ein.“

    Angenommen, ein Kunde will von 10.000 Euro 60 Prozent in ökologisch nachhaltige Anlagen im Sinne der EU-Taxonomieverordnung stecken. In diesem Fall könnte ein Anlageberater für 6000 Euro ein nachhaltiges Finanzprodukt empfehlen und für die restlichen 4000 Euro ein Produkt, das überhaupt nichts mit ESG zu tun hat.

    Nach Einschätzung von Bankenpräsident Christian Sewing nimmt die Finanzbranche die Herausforderungen des Klimawandels sehr ernst. „Die Finanzbranche setzt inzwischen viele Ressourcen dafür ein, genau darauf zu achten, dass das, was wir als grün bezeichnen, auch wirklich grün ist“, sagte der Deutsche-Bank-Chef in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) kürzlich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Allen Marktteilnehmern ist bewusst, wie gefährlich Vorwürfe von Greenwashing sind.“

    Die Politik will mehr Geld dorthin lenken, wo es dem Klima und der Umwelt nutzt, statt diesen zu schaden: Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen, Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung von Verschmutzung sowie Schutz von Ökosystemen und Biodiversität und ähnliches. Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu sein, Deutschland will das schon bis 2045 schaffen. Das heißt: Klimaschädliche Gase wie Kohlendioxid (CO2) sollen von da an vermieden oder gespeichert werden. Der Umbau der Wirtschaft von „braun“ zu „grün“ wird nach Einschätzung von Experten nur gelingen, wenn neben öffentlichen Milliarden auch Privatleute ihn mit ihren Investitionen mittragen.

    Die Tendenz ist steigend. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) beziffert die Gesamtsumme nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland zum 31. Dezember 2021 auf 501,4 Milliarden Euro. Das waren fast 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil nachhaltiger Fonds am gesamten deutschen Markt stieg demnach binnen Jahresfrist deutlich von 6,4 Prozent auf 16,7 Prozent.

    „In Umfragen sagen die meisten Deutschen seit Jahren, dass sie das Thema Nachhaltigkeit in der Geldanlage total spannend finden. Aber sie setzen es nicht um“, sagt der Kasseler Professor Klein. „Ich bin überzeugt: Wenn das jetzt den Kunden aktiv angeboten wird, werden wir eine riesige Nachfrage bekommen. Das holpert vielleicht am Anfang, weil die Materie komplex ist. Aber ich denke, dass viele Anleger am Ende nicht den 0815-Fonds kaufen werden, sondern irgendetwas Grünes.“

    Der Fondsverband BVI ist allerdings skeptisch, dass der Bedarf auch ab sofort in jeder Hinsicht gedeckt werden kann: „In der ersten Zeit wird es voraussichtlich nicht genügend Produkte geben, um alle denkbaren Präferenzen der Kunden zu bedienen.“

    In ihrem Bericht von 2019 haben Markus Grabka und Christoph Halbmeier vom DIW die Vermögensungleichheit in Deutschland nachgezeichnet. Gestützt auf SOEP-Daten berechneten sie für 2017 ein durchschnittliches individuelles Nettovermögen von 108.449 Euro. Der Median lag bei 26.260 Euro – rund viermal weniger als der Durchschnitt.

    Reichtum über Jahre gestiegen

    Gemäß dem DIW-Bericht stieg das durchschnittliche Nettovermögen einer Person zwischen 2012 und 2017 um knapp 22 Prozent. Davon profitierten fast alle Menschen mit Ausnahme jener mit null Vermögen. Das waren rund 15 Prozent aller Erwachsenen. Die reichsten zehn Prozent besaßen dagegen mehr als 275.000 Euro.

    Die Europäische Zentralbank koordiniert mit allen Nationalbanken des Euroraums die Studie „Household Finance und Consumption Survey (HFCS)“. So werden die Bilanzen aller Privathaushalte detailliert unter einem Dach zusammengetragen. Das erlaubt einen grenzüberschreitenden Vermögensvergleich zwischen den Euroländern. Mehr als 91.000 Haushalte nahmen an der dritten Befragungswelle 2017 teil.

    Das durchschnittliche Nettovermögen eines Haushalts im Euroraum betrug 2017 demnach rund 229.100 Euro, der Median rund 99.900 Euro. In Deutschland beträgt das durchschnittliche Nettovermögen gemäß der Studie 232.800 Euro, der Median kommt auf 70.800 Euro zu liegen.

    Mit der Vermögensstudie „Global Wealth Report“ liefert die Großbank Credit Suisse jährlich eine globale Einschätzung zu den Haushaltsvermögen. So beschreibt der Bericht von Juni 2021 auch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Vermögen rund um die Welt. Aus Sicht der Studienautoren hat sich die Vermögensentwicklung 2020 komplett von den wirtschaftlichen Herausforderungen durch die Pandemie losgelöst.

    Geld angehäuft trotz Krise

    Die Credit Suisse definiert das Nettovermögen als den Wert aller Finanzanlagen plus die Wertanlagen wie etwa Hauseigentum abzüglich Verbindlichkeiten. Private Rentenvermögen werden einbezogen, nicht aber Ansprüche der gesetzlichen Rente.

    Obwohl in vielen Ländern das Bruttoinlandsprodukt eingebrochen ist, stiegen die Haushaltsvermögen pro Person. In europäischen Ländern, USA und Australien war die Steigerung am stärksten. Deutschland befindet sich hinter den USA auf dem 7. Platz. Hier vergrößerte sich das Vermögen pro Person um mehr als 40.450 US-Dollar. An der Spitze steht die Schweiz, wo rein rechnerisch das Vermögen pro Person um 70.729 US-Dollar zugelegt hat.

    Gemäß dem Credit-Suisse-Bericht verfügen Erwachsene in Deutschland im Durchschnitt 268.000 US-Dollar. Das Median-Vermögen beträgt 65.374 US-Dollar. Damit schafft es Deutschland im weltweiten Vermögens-Ranking auf Platz 16.

    Milliardären-Ranking als Datenquelle

    Deutschland zählte vergangenes Jahr gut 2,95 Millionen Dollar-Millionäre und somit 633.000 mehr als bei der Auswertung ein Jahr zuvor. Das ist nach den Amerikanern die zweitgrößte Gruppe, die zum Club der Reichen stößt. Die Millionären-Dichte in Deutschland beträgt damit 4,3 Prozent.

    Um besser auf die Top-Vermögen schließen zu können, beziehen die Autoren die Liste der reichsten Menschen der Welt von „Forbes“ in ihre Analyse mit ein. Dies erlaube es, plausible Schlüsse zu ziehen zu den sehr Vermögenden – mit einer bis fünfzig Millionen US-Dollar – und den Ultra-Reichen mit über 50 Millionen US-Dollar Vermögen.

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    vonJulia Groth

    Die Forbes-Liste ist zwar keine wissenschaftliche Studie, liefert aber konkrete Zahlen, wie schwer die Superreichen tatsächlich sind. Platz eins belegt Tesla-Gründer Elon Musk mit einem Vermögen von 177 Milliarden US-Dollar. Mit 47,1 Milliarden US-Dollar ist Lidl-Gründer Dieter Schwarz der reichste Deutsche – global belegt er den Platz 28.
    Dieser Beitrag erschien erstmals am 16.7.2022. Wir zeigen ihn aufgrund des großen Leserinteresses erneut.

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    Author: Dan Stracke

    Last Updated: 02/21/2023

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